Ein Interview mit Marius Donhauser, Gründer und CEO von hotelkit
„Man muss ein echtes Problem lösen.“ – Warum ist das wichtig?
Wenn ich auf meinen Weg zurückblicke, dann war das die zentrale Erkenntnis:
Ein Unternehmen darf nicht mit einer coolen Idee starten – sondern mit einem echten Problem. Ich habe vor hotelkit vier Start-ups gegründet, die gescheitert sind. Heute kann ich sehr gut analysieren, warum: Wir hatten Ideen. Aber wir hatten keine dringenden Probleme, die wir gelöst haben.
hotelkit ist anders entstanden. Es war kein Businessplan am Reißbrett. Es war ein echtes Problem in meinem eigenen Hotel. Und genau das macht den Unterschied.
Wie ist hotelkit eigentlich entstanden?
Ich komme aus der Hotellerie. Meine Eltern waren Gastgeber, ich bin praktisch im Hotel aufgewachsen. Bei uns am Küchentisch ging es nicht um Fußballergebnisse, sondern um Dienstpläne, Gästewünsche und Reparaturen. In unserem Hotel gab es eine riesige Mappe mit Standards und Prozessen – wir nannten sie die „Monstermappe“. Niemand hat darin gefunden, was er gesucht hat.
Also habe ich mir gedacht: Was wäre, wenn wir das Wissen eines Hotels digital zugänglich machen?
Für alle. Jederzeit. Ohne Chaos. So entstand die Idee einer internen Plattform für Hotels – eine Art „Slack für Hotels“.
Warum war Scheitern ein wichtiger Teil des Erfolgs?
Scheitern gehört dazu. Punkt. Gründen klingt von außen oft glamourös.
Awards, Wachstum, internationale Expansion. Aber in Wahrheit bedeutet es: Mehr Absagen als Zusagen, Zweifel, finanzielle Unsicherheit und sehr viel Durchhaltevermögen.
Was mir geholfen hat?
- Ich war jung und hatte wenig Verpflichtungen.
- Ich hatte dieses Unternehmer-Mindset von meinen Eltern mitbekommen.
- Ich war bereit, aus Fehlern zu lernen – nicht sie zu wiederholen.
Bei hotelkit haben wir viele Dinge anders gemacht als bei meinen vorherigen Start-ups. Und das war entscheidend.
Was braucht es wirklich, um ein internationales Unternehmen aufzubauen?
Drei Dinge:
- Das richtige Timing:
Als wir gestartet sind (2012/2013), war Cloud-Technologie gerade im Kommen. Wir waren eine der ersten Lösungen, die nicht „on premise“, sondern komplett cloudbasiert waren. - Das richtige Team:
Heute sind wir über 100 Mitarbeiter in Salzburg und Dresden. Ohne dieses Team wäre hotelkit nie international gewachsen. Ein Gründer allein baut kein Scale-up. - Dranbleiben:
Man weiß am Anfang oft nicht, was alles auf einen zukommt. Und das ist manchmal sogar gut so. Internationalisierung klingt spannend – ist aber komplex.
Neue Märkte bedeuten:
- neue Sprachen
- neue Support-Strukturen
- kulturelle Unterschiede
- technische Herausforderungen (z.B. China Firewall)
Wie wird aus einem Startup ein Marktführer?
Indem man nicht Software baut – sondern ein Problem löst. hotelkit ist nicht entstanden mit der Idee: „Wir machen jetzt eine Hotelsoftware.“ Es entstand aus einem echten operativen Bedarf.
Heute nutzen über 4.000 Hotels in 85 Ländern unsere Plattform. Aber der Kern ist immer derselbe geblieben: Wir erleichtern den Arbeitsalltag von Hotelteams. Nicht für den Gast. Sondern für die Mitarbeiter. Und genau dadurch profitiert am Ende auch der Gast.
Welche Rolle spielen Innovation und KI in der Hotellerie?
Die Branche steht vor großen Herausforderungen:
- Fachkräftemangel
- hohe Fluktuation
- steigende Erwartungen
- Digitalisierung
KI ist kein Bedrohungsszenario – sondern ein Enabler. Wir entwickeln aktuell einen internen KI-Assistenten, der Hotelwissen konversationsbasiert zugänglich macht. Ein Mitarbeiter kann auf seiner Sprache fragen – und bekommt sofort die passende Antwort. Wissen wird mitarbeiterunabhängig. Prozesse werden einfacher. Teams werden effizienter. Das ist die Zukunft.
Was würdest du jungen Gründern heute mitgeben?
Gründen ist kein Sprint. Es ist ein Marathon mit vielen Umwegen. Aber wenn es aufgeht, ist es jede Hürde wert.
- Löse ein echtes Problem.
- Baue nicht zuerst das Produkt – verstehe zuerst das Problem.
- Bleib dran. Auch wenn es weh tut.
- Resilienz entwickeln.
Über Marius Donhauser
Marius Donhauser ist Mitgründer und CEO von hotelkit. Seine unternehmerische Reise begann nicht im Silicon Valley, sondern im Familienhotel in Salzburg, das er als junger Hotelier übernahm. Konfrontiert mit den täglichen Herausforderungen rund um Kommunikation und Teamzusammenarbeit entwickelte er aus eigener Erfahrung die Idee zu hotelkit – einer Lösung von Hoteliers für Hoteliers. Was 2012 gemeinsam mit drei Entwicklern in „Hotelzimmer 404“ startete, ist heute ein internationales Technologieunternehmen mit über 110 Mitarbeiter:innen. Mehr als 4.000 Betriebe in über 85 Ländern und 180.000 Nutzer:innen weltweit vertrauen auf hotelkit. Als CEO treibt Marius mit Leidenschaft die Vision voran, Zusammenarbeit in der Hotellerie einfacher, effizienter und menschlicher zu gestalten.